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"Im Zauber-Bann"

Ein ganz ungleiches-groteskes Paar vereint in einer Art schwarzer Aura und in einem von Mauern umgebenen Hof.
Die vordere Figur ist ein einarmiges Froschwesen, dessen Kopf menschenähnliche Züge trägt und mit einer gestreiften Mütze bedeckt ist, wie man sie als Bestandteil der Gefängniskleidung aus früheren Zeiten kennt. Es schaut den Betrachter aus übergroßen, grünlichen Augen an, breit grinsend zwischen den ungleich großen, abstehenden Ohren.
Auf seiner Schulter ruht die rechte Hand der hinter ihm stehenden, hell, wie mit einem ArztKittel, bemäntelten Figur, deren ebenfalls lächelnden Gesichtsausdruck durch eine weit herausgestreckte, gespaltene Zunge kaum Vertrauen zu erwecken vermag. Die Linke verbirgt ein großes Schlüsselbund seitwärts hinter sich. Weißer Kragen und nach hinten gekämmte "aalglatte" Haare deuten nicht nur den "Schließer", sondern eher den höheren Funktionsträger an, dessen scheinbare Jovialität im Widerspruch zur krassen Ungleichheit beider Gestalten steht.

Eine den Gesichtern gleichermaßen eigene gelbliche Gesichtsfarbe signalisiert eine Art "substantieller", böser Gemeinsamkeit zwischen beiden Figuren.

Das auf den ersten Blick durch die lächelnden Mienen simuliert-heitere Miteinander der beiden erfährt durch Attribute wie die gespaltene Zunge, die gelbe Gesichtsfarbe, den halb verborgenen Schlüssel oder auch die schwarze Aura eine missklingende Relativierung, welche an etwas Bösartiges -etwa im Sinne einer Täter-Opferbeziehung- zu gemahnen scheint.

In einem märchenartigen Sinne könnte man vielleicht an den Froschkönig denken, den hier aber keine Prinzessin durch ihren Kuss entzaubert, sondern der unter dem Bann des bösen Zauberers zu stehen scheint, ohne das "Entzauberung" auch nur denkbar erscheint.

Durch eine schwarze Aura abgegrenzt, befindet sich die Szene in einem rechteckigen von funktionaler Architektur gebildeten Hof, welcher hinter den beiden Figuren von einer blutrot hohen Mauer begrenzt ist, wohinter endlich die Reihe hoher Bäume auf die jenseits der Mauer befindliche (gute?) Welt verweist. Beide Figuren sind von dieser äußeren Welt durch Mauer, räumliche Distanz und Aura vielfach getrennt.
Das Bild thematisiert die asymmetrische aber zugleich auch wechselseitig affizierte und als simuliert-freundlich bzw. als subtil-feindselig erlebte Beziehungsrealität in der totalen Institution des Gefängnisses.

In der JVA Wolfenbüttel können Inhaftierte an künstlerisch und psychologisch begleiteter Gruppenarbeit teilnehmen. Die Angebote wenden sich an Gefangene mit meist langzeitig bestehenden Defiziten und sozialen Auffälligkeiten.
HOWIE war einer meiner anfänglichen Klienten in der Kunsttherapie. Er zeichnete sich zuvor schon durch ein gewisses Talent im Malen aus, was er zur Fertigung recht kitischiger Landschaftsbilder und einiger dekorativer Motive nutzte, wie sie von Gefangenen bevorzugt werden.
Ich lernte ihn in einer für ihn sehr belastenden Phase näher kennen, wo er von den anderen Gefangenen in einer Art Kellerzelle abgesondert war. Ich half ihm, seine bedauerliche Situation zu klären und mit dem Aufbau eines vertraulichen Kontaktes konnte ich ihn ermuntern, seine Phantasien in seinen ganz eigenen Ausdrucksbildern zu verdinglichen, die er später auch öffentlich ausstellte.

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